Unkraut
Ein Stück von Fitzgerald Kusz

Premiere: Mai 2001
Alter Kinosaal, Athenee Royal, Rösrath-Venauen

Zum Stück

Unkraut sollte es in den Gärten einer Reihenhaussiedlung eigentlich gar nicht geben. Dementsprechend eifrig und gründlich gehen die Bewohner bei der Pflege ihrer Gärten zu Werke. Man trifft sich regelmäßig bei den Fleischmanns oder Brüttings zum Grillen und blickt zufrieden auf den stets kurz geschorenen Rasen. Die friedliche Idylle wird durch nur den neuen Nachbarn Krause gestört, der in seinem Garten das Gras wachsen lässt und damit das schöne, einheitliche Bild der Siedlung zerstört...

Doch der Garten des Lehrers Krause beleidigt nicht nur das Auge der Alteingesessenen, sondern zieht auch durch den Flug von Unkrautsamen sowie die unkontrollierte Vermehrung von Maulwürfen den Zorn der Nachbarschaft auf sich. Angeführt durch Hans Fleischmann sucht die Nachbarschaft nun Wege, um sich der Bedrohung zur Wehr zu setzten. Denn: „Wer seinen Garten verwildern lässt, mit dem kann man nicht reden". Beim Kaffeetrinken auf der Terrasse des geschiedenen Horst Bauers liegen die Nerven blank. Als kurz darauf eine frisch eingepflanzte Rose aus dem Garten der Fleischmanns verschwindet, gehen sogar die befreundeten Nachbarn aufeinander los.

Fitzgerald Kusz stellt seine Figuren, drei Ehepaare und einen Single, nicht als abstrakte Spießbürger-Typen dar, sondern als "Leute wie Du und ich", die sympathische und weniger sympathische Charakterzüge in sich vereinigen. Sie streiten sich und vertragen sich wieder - immer aber beargwöhnen sie sich mit einem gewissen Misstrauen. Ihre Unfähigkeit und Hilflosigkeit zu menschlichen Beziehungen findet ihren Ausweg im gemeinschaftsstiftenden Hass auf den andersartigen Nachbarn, den es mit allen Mitteln in die Flucht zu schlagen gilt.

Das satirische Stück "Unkraut" bildet nach "Schweig Bub" und "Derhamm ist derhamm" den dritten Teil der "Fränkischen Trilogie" von Fitzgerald Kusz. Es wurde vom Autor fränkischem Dialekt verfasst. Kusz empfiehlt, seine Stücke im jeweils landestypischen Dialekt aufzuführen. Dementsprechend wurde „Unkraut" 1983 in Esslingen in einer schwäbischen Version uraufgeführt. Von der Bühne-11-hundert wurde eine süddeutsche Fassung in eine rheinisch-umgangssprachliche Form übertragen.

Über den Autor

Fitzgerald Kusz, der Autor des Stücks "Unkraut", zählt zu den wenigen Vertretern des kritischen Dialekttheaters in Deutschland. Seine Theaterstücke spielen zumeist im kleinbürgerlichen Milieu. Anders als in den traditionellen Volks- und Bauernschwänken werden die Geschichten aus dem "wahren Leben" realitätsnah und zeitkritisch präsentiert. Zusammen mit Autoren wie Rainer Werner Faßbinder, Franz Xaver Kroetz und Martin Sperr ("Jagdszenen aus Niederbayern") hat Kusz zu einer Renaissance des sozialkritischen Volkstheaters in der Tradition Ödon von Horvaths und Marieluise Fleißers beigetragen.

Kusz, der seinen Vornamen nachträglich ändern ließ, wurde am 17. November 1944 in Nürnberg geboren und wuchs in Mittelfranken auf. Nach dem Studium der Anglistik und Germanistik in Erlangen war er bis 1982 Lehrer in Nürnberg. Seither lebt er als freier Schriftsteller.

Bevor Kusz als Bühnenautor bekannt wurde, schrieb er Gedichte im fränkischen Dialekt. Bekannt wurde er mit der 1976 uraufgeführten satirischen Kleinbürgerkomödie "Schweig Bub!". Das Stück gehört zu den meistgespielten deutschen Bühnenwerken und wurde in zahlreiche Dialekte übertragen. Im Rahmen der "Fränkischen Trilogie" folgten die Stücke "Derhamm ist derhamm" und "Unkraut".

Mit seinen Theaterstücken eröffnet Kusz dem Zuschauer einen außergewöhnlich realitätsnahen Blick auf das Leben in der kleinbürgerlichen Provinz. Seine teilweise boshafte Kritik an latent vorhandenen Vorurteilen, Fremdenhass und Doppelmoral wird stets durch eine liebevolle Zeichnung der Charaktere begleitet. Kusz, dem eine Vorliebe für das englische Boulevardtheater nachgesagt wird, vermag es im Besonderen, dem Zuschauer "schwere" Themen auf humorvolle Weise nahezubringen – stets ohne den Ernst der Situation zu verwässern. Seine Stücke scheinen direkt aus dem Leben zu entspringen, sie sollen laut Kusz keine langweilige soziologische Versuchsanordnung sein: "Lachen ist erlaubt! Vielleicht führt vom Zwerchfell eine direkte Verbindung zum Hirn?"

Fitzgerald Kusz erhielt 1975 den Hans-Sachs-Preis, 1977 ein Gerhard-Hauptmann-Stipendium und 1983 den Wolfram-von-Eschenbach-Preis.